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Frau Ella (2012)

Kinostart: 17.10.2013

Verleih: Warner
Produktion: Pantaleon Films

Regie: Markus Goller
Drehbuch: Dirk Ahner
Produzenten: Dan Maag, Marko Beckmann, Matthias Schweighöfer
Ausführende Produzentin: Katja Emcke
Line Producer: Hannah Lea Maag
Creative Producer: Angelika Mönning
Produktionsleitung: Felix Leitermann
Buchvorlage: Florian Beckerhoff
Kamera: Ueli Steiger
Musik: Martin Probst
Ton: Ben Krüger
Produktionsdesign: Christian Eisele
Kostüme: Janne Birck
Casting: Emrah Ertem, Franziska Aigner

Darsteller: Matthias Schweighöfer (Sascha), August Diehl (Klaus), Ruth Maria Kubitschek (Frau Ella), Anna Bederke (Lina), Anna Thalbach (Schwester Erika)

Fakten zum Film

Laufzeit: 105 Minuten
Förderung: DFFF – Deutscher Filmförderfonds (EUR 788.041), FFA – Filmförderungsanstalt (EUR 400.000), Medienboard Berlin-Brandenburg (EUR 700.000)
Drehorte: Berlin und Umgebung, Paris, Bretagne
Drehzeit: Oktober/November 2012

Links zum Film

Offizielle Website: wwws.warnerbros.de/frauella/

Story

Schlimmer geht’s immer: Sascha (Matthias Schweighöfer) und sein bester Kumpel Klaus (August Diehl) genießen ihr lockeres Leben … bis Saschas Freundin Lina (Anna Bederke) schwanger wird – sie ist nur mit Baby zu haben, er nur ohne. Im Trennungsstress baut Sascha einen Unfall, und als ob der Totalschaden nicht reichen würde, hat er bald darauf die redselige Seniorin Ella (Ruth Maria Kubitschek) am Hals, die ihm aber in einem überlegen ist: Erfahrung. Und Frau Ella will mit ihren Tipps und Tricks Saschas Liebesleben wieder in Ordnung bringen…

Frau Ella Film

Produktionsnotizen – Über die Produktion

Über die Entstehung von „Frau Ella“ sagt Regisseur Markus Goller: „Katja Emke, die bei unserem Film als Executive Producer fungiert, ist in Los Angeles meine Nachbarin und kümmert sich viel um alte Menschen. Sie war von Florian Beckerhoffs Roman völlig begeistert und schlug mir die Verfilmung vor.“

Dazu Drehbuchautor Dirk Ahner: „Eine Romanadaption ist immer eine heikle Sache, weil die Medien sehr unterschiedlich sind. Manche Romane sind bereits sehr filmisch geschrieben. Bei ‚Frau Ella‘ scheint der Autor sehr persönlich involviert. Wir erfahren sehr viel über das Innenleben der Hauptfigur Sascha, seine Gefühle, seine Gedanken – das lässt sich im Film schwer darstellen. Wir mussten in der Geschichte also die äußere Handlung stärker betonen, um das, was die Hauptfigur fühlt, sichtbar zu machen.“

„Mir fiel sofort dazu ein, die Hauptfiguren, jung und alt, im Film zusammen auf eine Reise zu schicken“, ergänzt Markus Goller. „Ich dachte gleich an Matthias Schweighöfer als Darsteller des Sascha – wir hatten beim Dreh von ‚Friendship!‘ viel Spaß gehabt, und er war das richtige Zugpferd für das neue Projekt, außerdem hatte er gerade seine eigene Produktionsfirma Pantaleon gegründet. Matthias und seinen Produzentenpartnern Dan Maag und Marco Beckmann gefiel der Stoff sofort.“

Produzent Dan Maag bestätigt: „Wenn ein Regisseur wie Markus den Film machen will, ist das für uns schon die halbe Miete. Mit Matthias als Darsteller ergab sich so das perfekte Paket, von dem Produzenten träumen. Ich mochte den Stoff – er ist dramatischer, intensiver als unsere bisherigen Komödien, ein Thema, das die Menschen bewegt. Im Film wird das so formuliert: ‚Am Ende des Lebens bereut man nicht das, was man falsch gemacht hat, sondern das, was man nicht gemacht hat.‘“

Und über die Arbeitsteilung in der gemeinsamen Firma sagt er: „Uns lenkt die gemeinsame Erkenntnis, dass wir mit dem Team eine Menge Zeit verbringen, und deshalb umgibt man sich gern mit netten Menschen, die wissen was sie tun.“

Buchautor Florian Beckerhoff unterstützte die Verfilmung von Anfang an. Dazu Goller: „Florian ist ein wirklich liebenswerter Mensch. Wir haben intensiv über seinen Roman gesprochen, und er hat verstanden, dass für die Filmfassung einige Änderungen nötig waren. Jetzt ist er sehr gespannt auf den fertigen Film. Inzwischen sind wir schon im Gespräch über mögliche Filmfassungen seiner weiteren Romane, die er mir angeboten hat.“ Die Dramaturgin Angelika Mönning arbeitete für Schweighöfers Firma Pantaleon bereits in der Entwicklungsabteilung. Sie konzipierte nun mit Regisseur Goller und Drehbuchautor Dirk Ahner die Filmfassung zu „Frau Ella“. Goller erinnert sich: „Ich war Dirk bisher nicht persönlich begegnet, hatte ihn erst ein paar Tage zuvor kennen gelernt, aber wir verstanden uns auf Anhieb und hatten parallel ganz ähnliche Ideen für die Filmfassung. Da merkten wir, dass wir das Buch zusammen entwickeln sollten. Er ist ein hervorragender Autor.“

Dazu Dirk Ahner: „In dem langen Prozess haben Markus, Angelika und ich tage- und wochenlang immer wieder am Skript gefeilt – es war also kein Alleingang meinerseits, sondern eine echte Zusammenarbeit. Mir hat Florian Beckerhoffs Roman sehr gefallen, aber ich hatte das Gefühl, dass wir für die Filmfassung doch einige Änderungen vornehmen mussten. Markus war auch meiner Meinung, und so überlegten wir, welche Elemente des Romans wir übernehmen und welche nicht. Die Geschichte von Sascha und Ella ist fast unverändert geblieben.“

Die Rolle des Sascha übernimmt der gefeierte Darsteller Matthias Schweighöfer. „Matthias hat aus seiner persönlichen Sicht vieles in das Drehbuch mit eingebracht. Mit Engagement, Leidenschaft und großem Herzen nahm er an unseren Diskussionen teil“, berichtet Regisseur Goller. „Anders geht es wohl gar nicht, wenn etwas Positives dabei herauskommen soll.“

 

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Über die Besetzung

Drehbuchautor Dirk Ahner ergänzt: „Matthias hat wichtige Ideen zu seiner Figur beigetragen, die dem Drehbuch auf jeden Fall gut getan haben. Ich freue mich immer, wenn die Schauspieler mit Enthusiasmus bei der Sache sind, und das trifft auf Matthias natürlich besonders zu.“

Über seine Rolle sagt Schweighöfer: „Es geht um Träume, die man nicht aufgeben sollte. Sascha muss erwachsen werden und lernen, Verantwortung zu übernehmen.“

Goller fährt fort: „Matthias arbeitet sehr aus dem Bauch heraus. Seine Technik als Schauspieler hat er hundertprozentig parat, er kann sie jederzeit abrufen. Unter dieser Voraussetzung reagiert er spontan, genauso wie er sich im Moment gerade fühlt. Dabei lässt er sich von mir als Regisseur durchaus sehr gut führen, weil er immer gesprächsbereit ist. Er ist sehr offen für alles, hält aber nie mit seiner eigenen Meinung hinter dem Berg. Er ist ein hervorragender Schauspieler, der im Grunde sehr breit aufgestellt ist. Deshalb interessiert er sich immer auch für Stoffe, die nicht automatisch seinem aktuellen Image als Komödien-Superstar entsprechen. Natürlich wenden wir uns mit ‚Frau Ella‘ wieder an das große Publikum, aber wir zeigen auch andere Seiten von Matthias.“

Über die gemeinsame Arbeit während des Drehs sagt Goller: „Diesmal trägt Matthias die Verantwortung nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Produzent. Er kümmert sich daher um viel mehr Einzelheiten als früher. Das ändert aber nichts an unserer normalen intensiven Kooperation am Set. Doch jederzeit spürt man sein Bemühen, die Produktion in allen Aspekten optimal voranzutreiben. Ähnlich geht es mir selbst. Ich bin flexibel, gebe den Darstellern möglichst viel Raum zur Entfaltung, aber eben auch nur bis zu dem Punkt, den ich persönlich vom Konzept her vertreten kann. Wenn dieser Punkt überschritten wird, besteht Gesprächsbedarf, und gemeinsam erarbeiten wir dann die bestmögliche Version der Szenen. Diese Vorgehensweise bewährt sich besonders im Gespräch mit Schauspielern wie Matthias, die auch als Filmemacher viel Erfahrung mitbringen.“

Sascha bildet mit seinem besten Freund Klaus eine Wohngemeinschaft und geht mit ihm durch dick und dünn. Die Rolle des lebenslustigen Klaus übernimmt der renommierte Schauspieler August Diehl, der sagt: „Ich mag den Klaus – er ist vielleicht nicht der Hellste, aber er hat ein großes Herz.“

Und Schweighöfer ergänzt: „Auf Klaus ist nicht immer Verlass, aber er zahlt auf jeden Fall die Miete – er ist eben Saschas bester Freund.“

Regisseur Goller erinnert sich: „Wir haben lange nach einem geeigneten Darsteller für den Klaus gesucht. Unser Casting Director Emrah Ertem hatte die Idee, August Diehl zu fragen, aber wir trauten uns kaum, weil Emrah wusste, dass August in letzter Zeit 30 oder 40 Komödienstoffe konsequent abgelehnt hat. Umso überraschter waren wir, als er sich sofort für unseren Stoff interessierte.“

Dazu Schweighöfer: „Klaus darf nicht in den Slapstick abrutschen, er ist trotz der komischen Szenen auch eine ernsthafte Figur und war deshalb nicht einfach zu besetzen. Wir wollten August gern haben, glaubten aber eigentlich nicht, dass er zusagen würde. Doch er erklärte sich dazu bereit, obwohl wir beide in der Regel sehr unterschiedliche Filme machen. Umso schöner war unsere Teamarbeit.“

Goller weiter: „Beim ersten Treffen mit Matthias und mir entwickelte August sofort gute Ideen für den Klaus, aber auch für andere Aspekte der Story, die wir gern ins Skript übernahmen. Für mich war das ein Geschenk!“ Das empfand auch Autor Dirk Ahner so: „Im Gegensatz zum komplexen Sascha hat Klaus ein ganz klares Thema – seine durch viele Aktivitäten kaschierte Sehnsucht nach einer Partnerin. Und das ziehen wir durch. Das Schöne bei Nebenfiguren wie ihm: Man kann vieles ausprobieren, ihnen Ecken und Kanten geben, was bei Hauptfiguren nicht so einfach ist, weil man sich dabei die Sympathien des Zuschauers nicht verscherzen darf.“ Produzent Dan Maag berichtet: „August beeindruckt mich nicht nur seit jeher als Schauspieler, sondern jetzt bei der gemeinsamen Arbeit auch menschlich. Ihn mit Matthias in einem Film gemeinsam erleben zu dürfen, ist allein schon den Kinobesuch wert.“

Diese Zusammenarbeit empfand auch August Diehl als sehr angenehm: „Mit Markus Goller macht der Dreh wirklich riesig Spaß – und das gilt auch für Matthias und Ruth Maria Kubitschek. Markus ist sehr entspannt und freundlich, ein leidenschaftlicher Filmemacher – dieser Enthusiasmus steckt alle im Team an.“

Die Rolle der 87-jährigen Krankenhauspatientin Frau Ella übernahm die 82-jährige Film- und TV-Ikone Ruth Maria Kubitschek, die bereits seit über 60 Jahren vor der Kamera steht und kürzlich für ihr Lebenswerk mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Sie berichtet: „Ich hatte seit einem Dreivierteljahr keine Rolle mehr gespielt und beschloss innerlich, mich ganz auf meine Malerei zu konzentrieren. Dann kam das Angebot, Probeaufnahmen für ‚Frau Ella‘ zu machen, aber man hielt mich für zu jung für die Rolle. Ich setzte dann eine Perücke mit weißem Haar auf, und als Matthias Schweighöfer mich sah, sagte er: ‚Das ist sie doch!‘ Was auch mir das nötige Selbstbewusstsein für die Aufnahmen gegeben hat. Spielen wollte ich die Rolle unbedingt, seit ich den Roman vor etlichen Jahren gelesen habe. Und das Drehbuch hat mich zu Tränen gerührt.“

Regisseur Markus Goller gesteht: „Wir hatten Ruth schon vorher durchaus auf dem Schirm, aber ich muss gestehen, dass ich sie mir als Frau Ella nicht vorstellen konnte, weil sie in ihren üblichen Rollen eben nicht alt, sondern wie ein dynamischer Best Ager wirkt. Sie wollte die Rolle gern spielen, und beim Casting lernte ich dann eine ganz andere Ruth kennen, denn sie improvisierte eine Maske, die der Ella entspricht. Das und ihr Spiel haben mich sofort überzeugt. Darüber bin ich sehr froh. Ich ziehe daraus die Lehre, dass man sich sein Urteil nie vorschnell bilden soll – es lohnt sich immer ein Casting-Termin.“

Produzent Dan Maag ergänzt: „Ruth hat eine unfassbare Energie und ein riesengroßes Herz – sofort war klar: Das ist unsere Frau Ella! Es bringt so viel Spaß mit ihr und sie bringt das Team derart auf Trab, dass wir uns wünschen, einst in ihrem Alter nur ansatzweise noch so fit zu sein wie sie.“ „Ruth ist einer der feinsten Menschen, die ich kenne“, schwärmt Goller: „Sie ist nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Mensch so weise und erfahren, dass ich viel von ihr gelernt habe. Umgekehrt hat es ihr etwas gebracht, sich meiner Art des modernen Filmemachens auszusetzen. Unser Verhältnis gestaltete sich sehr intensiv, sie war beim Dreh eine Art Anker für mich, sie ist von einer lichten Sphäre umgeben, die das ganze Team prägt.“

Dazu August Diehl: „Ich staune, was für eine Energie Ruth aufbringt – die Hälfte des Films sitzen wir im Cabrio – bei Regen und Sturm, aber sie hat keinerlei Problem damit. Wir haben so viel Zeit miteinander verbracht, dass man ihr Alter einfach vergisst und sie wie eine Gleichaltrige erlebt“. Kubitschek sagt über ihre beiden Kollegen: „Matthias ist äußerst präzise, August eher unberechenbar – dadurch treffen sich drei verschiedene Energien. Die Atmosphäre am Set unterstützt unsere Arbeit bestens: Niemand schreit, alle sind sehr höflich und hilfsbereit.“ Und über die von Diehl angesprochene Energie sagt sie: „Ich bin weiterhin unternehmungslustig, neugierig, möchte noch etwas erleben – bei mir ist das Ende des Lebens noch nicht absehbar. Ich möchte mir all die Orte ansehen, die ich noch nicht gesehen habe: die Provence, die Toscana, Umbrien, Nordfrankreich. Da setze ich mich ins Auto und nehme einen Hotelführer mit. Aber durch das Einfühlen in die Rolle bin ich doch älter geworden. Ansonsten bin ich fürchterlich gesund! Zeit meines Lebens habe ich sehr natürlich gelebt. Die Frau Ella ist wie das Sahnehäubchen auf meiner Karriere – eine wunderschöne Rolle.“

Als Sascha mit Frau Ella und Klaus auf Reisen geht, verdrängt er ein Problem, das er eigentlich viel dringender lösen sollte: die Beziehung zu seiner schwangeren Freundin Lina. Diese Rolle übernimmt Anna Bederke. Markus Goller erklärt: „Anna hatte mit Matthias kürzlich bereits ‚Schlussmacher‘ gedreht. Bei ihr gab das Zusammenspiel mit Matthias den Ausschlag – sie hat das hervorragend hinbekommen. Mir lag daran, dass die Lina eine gewisse Reife hat, und genau das gelingt Anna. Wichtig ist ja, dass wir spüren, wie sehr Sascha diese Frau liebt – sie ist eben nicht mit irgendeiner anderen Partnerin austauschbar. Das bringt Anna als Lina in nur wenigen Szenen überzeugend auf den Punkt.“

Nach dem Unfall, im Krankenhaus gerät der verletzte Sascha nicht nur mit Frau Ella aneinander, sondern auch mit der Krankenschwester Erika. Diese Rolle übernimmt Anna Thalbach. „Als Krankenschwester suchten wir eine waschechte Berlinerin, und die hätte niemand besser verkörpern können als Anna Thalbach“, weiß Regisseur Goller. „Sie reagierte positiv auf unsere Ideen, brachte sich selbst ein mit ihren Sprüchen, mit ihrem angeborenen Humor und mit ihrer langjährigen Erfahrung, mit der sie auch eine kleine Rolle unvergesslich gestalten kann. Ich freue mich, dass sie durch ihre Persönlichkeit gerade den schwierigen, wichtigen Szenen im Krankenhaus ein komödiantisches Gegengewicht gibt und die Stimmung aufmischt.“ Augenzwinkernd fügt er hinzu: „Denn Anna hat ein unglaubliches Gedächtnis und kann innerhalb kürzester Zeit 1000 Witze erzählen, die wirklich brüllend komisch sind.“

 

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Bilder für die Reise eines Lebens

„Frau Ella“ bietet beeindruckende Bilder der deutschen Hauptstadt und Umgebung, führt uns dann aber auch nach Paris und bis an die Küste der westlichen Bretagne. Verantwortlich für den pittoresken Hintergrund in Markus Gollers zu Herzen gehender Komödie ist Kameramann Ueli Steiger. Goller sagt: „Dies ist mein dritter Film mit Ueli, und wir planen bereits weitere gemeinsame Projekte. Als etablierter Kameramann in Hollywood bringt er seine Erfahrung mit hochkarätigen Projekten ein und war für mich deshalb unschätzbar wertvoll. Weil ich aus der Werbung komme, ist sein völlig anderer Ansatz sehr fruchtbar bei unserer Bildgestaltung. Daraus ergibt sich ein Erzählstil, der nicht auf schnelle Schnitte abzielt, sondern auf längere Einstellungen, die das Publikum braucht, denn es soll die vielen Bilddetails genießen, die sich in den durchkomponierten Sequenzen entfalten. Das Resultat sind große Kinobilder, die den Zuschauer zum Entdecken und Interpretieren des Geschehens anregen, statt vorzuschreiben, worauf er sich im jeweiligen Moment optisch zu konzentrieren hat.

Steiger formuliert es anders: „Der Film erzählt sich selbst – wir zwingen ihm keinen Look auf. Ich mag keine Bildsprache, die sich selbst allzu wichtig nimmt. Ich bevorzuge Szenen als eine einzige, choreografierte Einstellung.“ Goller fährt fort: „Ich habe bei unserem ersten Film ‚Friendship!‘ viel von Ueli gelernt und bin ihm sehr dankbar, dass er meine Filme weiterhin gestaltet. Daraus hat sich auch persönlich eine enge Freundschaft ergeben. Es ist ja nicht nur wichtig, mit Fachleuten zu arbeiten – sie müssen am jeweiligen Film auch wirklich interessiert sein und menschliche Qualitäten mitbringen. Denn wenn man so lange im Team zusammenarbeitet, sollte man einander schon mögen! Umso schöner ist die Teamarbeit, wenn man sich so gut versteht wie Ueli und ich. Natürlich sieht man das dem Resultat auch an.“

Steiger bestätigt das gern: „Ich mache den Film wegen Markus – seit ‚Friendship!‘ drehen wir möglichst alle seine Filme gemeinsam. Er ist ein sehr guter Schauspielerregisseur, er verfilmt Geschichten, die ihm selbst nahe sind. Er ist offen, hat einen guten Geschmack, ist in der Arbeit mit dem Team sehr umgänglich. Deshalb sind auch alle Beteiligten auf seiner Seite. ‚Frau Ella‘ ist einer der angenehmsten Drehs, die ich je erlebt habe.“ Ein Großteil des Films wurde an Originalschauplätzen in Berlin und Brandenburg gefilmt. Goller berichtet: „Um den Schauplatz Berlin buchstäblich in einem ungewöhnlichen Licht zu zeigen, muss man unkonventionell vorgehen und schon mal sehr früh zwischen sechs und sieben Uhr die Morgenstimmung einfangen – was mit Schauspielern und Team einen erheblichen Mehraufwand bedeutet, weil viele, aber nicht alle atmosphärischen Einstellungen vom 2. Drehteam geliefert werden können. Häufig kommt es vor, dass man witterungsbedingt lange auf genau die stimmungsträchtige Einstellung warten muss, die das Kinoerlebnis einmal mehr einzigartig und unvergesslich macht.“

Als erste Einstellung des Films dachten sich die Filmemacher eine komplizierte senkrechte Kamerabewegung aus, die einen riesigen Kamerakran erfordert hätte, wie er in Deutschland gar nicht zu haben ist – wegen des unverhältnismäßig großen Aufwands schloss man einen Kompromiss und verwendete einen Baukran, an dem die laufende Kamera abgeseilt wurde. Zunächst war unklar, ob das Resultat überzeugen würde, weil dieses Verfahren nur bei absoluter Windstille funktioniert.

„Sehr oft sind wir von solchen nicht völlig kontrollierbaren Faktoren abhängig – das Wetter ist in jedem Fall einer davon“, meint Goller. „Weil der Dreh später als ursprünglich geplant stattfand, wirkt Berlin nicht ganz so sommerlich mit strahlend blauem Himmel, sondern wird eher von einer warmen Herbstatmosphäre geprägt.“

Kaum eine Produktion kann es sich leisten, Innenräume im Studio nachzubauen. Dabei wäre es effektiver, einen engen Schauplatz wie die Kreuzberger Wohnung von Sascha und Klaus im Studio aus beweglichen Wänden zu konstruieren, um so dem Kamerateam die nötige Bewegungsfreiheit zu geben. Doch aus Kostengründen greift man meist auf vorhandene Schauplätze zurück.

Über die Wahl und Ausstattung der Wohnung sagt Goller: „Es ging darum, Frau Ellas Wechsel aus dem Krankenhaus in die Junggesellenwohnung von Sascha und Klaus als extremen Kontrast zu zeigen. Insofern suchten wir eine Wohnung, die wir bewusst etwas ‚verwahrlosen‘ konnten. Mit der Entscheidung waren wir daher zufrieden, aber Ueli Steiger beklagte sich bitter über die Arbeitsbedingungen in der engen Location!“

Die Krankenhausszenen entstanden in Steglitz, die Altersheimszenen und andere Innensequenzen in Berlin-Buch. Der Sanatoriums-Komplex Beelitz- Heilstätten bei Potsdam dient im Film als die Ruine des Lazaretts, in dem Frau Ella sich an die große Liebe ihres Lebens aus Kriegszeiten erinnert. Ausstatter Christian Eisele schlug die beeindruckende Anlage vor, die einst zur Erholung für tuberkulosekranke Berliner Arbeiter errichtet wurde. Hier entstanden auch schon Szenen zu Roman Polanskis „Der Pianist“ und „Valkyrie“ (Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat) mit Tom Cruise. Goller sagt: „Es ist eines von zahlreichen hochherrschaftlichen Gebäuden, die heute verkommen, weil sie unter Denkmalschutz stehen und eine Restaurierung praktisch nicht zu finanzieren ist. Dort werden oft nicht nur (unerlaubte) Geisterpartys gefeiert, auch die alten Mauern selbst wirken tatsächlich richtig gruselig. Aber für unsere Filmzwecke war dieses Ambiente natürlich wunderbar.“ Ruth Maria Kubitschek bestätigt: „Der Verfall wirkte erschreckend, besonders nachts, als das Set ausgeleuchtet war und die Fenster mich wie Gespenster anstarrten.“

Über die Dreharbeiten in Frankreich berichtet Produzent Dan Maag: „Wir haben die Pariser Szenen mit unserer Service-Produktion vor Ort lange geplant, deshalb funktionierte das sehr gut, die Franzosen empfingen uns sehr freundlich. Ganz ungewohnt war es, mit Matthias auf der Straße zu stehen, ohne dass ihn einer der Passanten erkannte!“

„Paris ist für das Filmteam eine logistische Herausforderung“, sagt Markus Goller: „Die Straßen sind verkehrsmäßig so verstopft, dass der Wechsel von einem Motiv zum anderen einfach zu lange dauert. Deshalb wurden die nötigen Locations so geplant, dass sie nahe beieinander lagen. Dafür eignete sich in unserem Fall Montmartre. Ein zweites Drehteam filmte Straßensequenzen. Weil einer der beiden Drehtage in Paris völlig verregnet war, wurden später einige Szenen in Berlin-Buch gedreht, das in diesem Fall als französische Hauptstadt ausgestattet wurde.“

Auch in der Bretagne musste sich das Team auf etliche Tage einstellen, die nicht in eine Sommerkomödie passen. Dazu August Diehl, der in seiner Jugend seine Ferien oft in dieser Region verbracht hat: „Wenn man die Bretonen fragt: ‚Wie haltet ihr den vielen Regen aus?‘, antworten sie: ‚Das muss man anders sehen: Wir haben mehrmals am Tag schönes Wetter!‘“

Ruth Maria Kubitschek musste sogar barfuß durch das Wasser am Strand laufen. Mit typischer Unerschütterlichkeit sagt sie: „Das Wasser war kalt – aber beim Spielen merke ich das nicht, obwohl ich mir auch mein Gelenk ausgekugelt hatte und beim Gehen große Schmerzen hatte. Stattdessen habe ich das kalte Wasser als Kneipp-Kur gesehen – das ist doch gesund!“ Die Dreharbeiten fanden im Westteil der Halbinsel statt, in und um Quimper. Hier fanden die Filmemacher die Stimmung, die sie sich für den Schlussteil des Films wünschten.

„Ursprünglich wollte ich eigentlich gern in der Normandie drehen“, sagt Goller. „Doch dort kam ich dann an den berüchtigten Omaha Beach, wo bei der Invasion 1944 Tausende Soldaten gestorben sind. Das empfand ich als ausgesprochen deprimierend. Ich fuhr also weiter in die Bretagne. Ich träumte von einer Einstellung mit einer Kirche direkt am Meer, und eine Bekannte hatte mir Fotos von einem solchen Motiv in der Bretagne gezeigt, das mich sofort überzeugte. Ich schaute es mir vor Ort an, und dort und in der schönen Umgebung haben wir dann tatsächlich gedreht.“

 

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Frau Ellas Weisheit

Über „Frau Ella“ sagt Kameramann Ueli Steiger abschließend: „Ich möchte im Kino gern eine menschliche Erfahrung machen – nicht zu tiefsinnig, nicht zu klamaukig, sondern eine leichte Komödie mit ernstem, zu Herzen gehendem Einschlag.“

Herz und Humor – diese Ingredienzien würzen alle Elemente der Reise, die Sascha und Klaus mit Frau Ella von Berlin über Paris bis an die Biskaya machen. Es geht um Wunschvorstellungen, die sich aus der Sehnsucht nach Liebe ergeben und sie dennoch oft verhindern.

„Wir haben die Liebe nicht richtig begriffen, wir glauben an das lebenslange Glück zu zweit“, sagt Ruth Maria Kubitschek. „Aufgrund meiner langen Lebenserfahrung muss ich sagen, dass die Liebe nur selten ein Leben lang hält – und dann meist als respektvolle Gemeinschaft. Wenn man das auch schon als junger Mensch begreifen würde, gäbe es weniger Trennungen. Denn kein anderer Mensch kann mich glücklich machen, wenn ich mich nicht selbst glücklich machen kann. Die Erwartung, dass der Partner das Glück bringt, ist Quatsch. Die Sahne des Lebens ist die Einsicht, dass wir einander etwas geben können.“

In Bezug auf ihren Beruf kommt sie zu dem Schluss: „Weil diese Erkenntnis nicht sehr verbreitet ist, werden weiterhin die üblichen Liebesfilme gedreht. Ich wünschte mir mal einen Film, in dem die Partner sich dieser Tatsache bewusst sind! Vielleicht sollte ich mal ein Drehbuch schreiben – bisher waren es nur Romane.“

Und der Dreh zu „Frau Ella“ bringt Kubitschek zu der Erkenntnis: „Wenn ich je einen weiteren Film machen sollte, wünsche ich mir wieder einen Regisseur wie Markus Goller und einen Partner wie Matthias! Ich spiele meine Rolle hier genauso wahrhaftig wie meine TV-Rollen, aber ich spüre doch deutlich, dass wir den Film für die große Leinwand drehen. Ich bin über die Brücke gegangen und habe meine Eitelkeit überwunden, um eine Rolle zu spielen, die meinem Alter entspricht – mit weißen Haaren und ohne viel Schminke. Ich muss wirklich den Mut aufbringen, ‚alt‘ zu spielen, mich also auch so zu fühlen. Ella ist ja noch einige Jahre älter als ich. Anschließend werde ich mir viel Mühe geben, wieder jünger zu sein!“

Quelle: Pressematerial Warner Bros.